27. Norddeutscher Kirchenarchivtag am 11. und 12. September 2017 in Hofgeismar

Am 11. und 12. September 2017 fand in Hofgeismar der 27. Norddeutsche Kirchenarchivtag statt. 39 teilnehmende Archivarinnen und Archivare aus 24 evangelischen und zwei katholischen Archiven diskutierten drängende Fragestellungen der archivischen Praxis. Wie kann ein angemessener Einsatz interaktiver Medien in kleineren Archiven aussehen? Welche Rolle kann und muss ein Archiv im Rahmen der Einführung eines Document Management Systems (DMS) spielen und welche kann es nicht leisten? Welche konkreten Strategien könnten erfolgversprechend sein in Zeiten, in denen einige Archive bereits so zusammengespart sind, dass sie ihren Auftrag, obwohl er in Archivgesetzen niedergelegt ist, nicht mehr komplett erfüllen können? Ein breit angelegter Workshop suchte nach Lösungsansätzen und praktikablen Wegen in eine Zukunft mit Archiven.

Workshop

Abb.: Workshop „Strategie konkret“ in fünf Themengruppen im Synodalsaal Hofgeismar (Foto: Ralf Gerstheimer)

Und in Hofgeismar wurde eine echte Premiere geboten. Archion2, der deutschsprachige Video-Clip der Kirchenbuchportal GmbH, der in Kooperation mit der Trickfilmklasse der Kunsthochschule Kassel entstanden ist, wurde erstmalig öffentlich aufgeführt:

Der Video-Clip zeigt in einer 90 Sekunden-Geschichte die Möglichkeiten des Portals www.archion.de auf. Das englischsprachige Pendant wurde bereits vor einigen Wochen, rechtzeitig zur International Germanic Genealogy Conference (IGGC), einer Internationalen Tagung für deutsche Genealogie in Minneapolis vom 28. bis 30. Juli 2017, auf Youtube präsentiert: https://www.youtube.com/watch?v=j5OGmOU58EE&t=7s (bisher 1.300mal aufgerufen).

In diesem Jahr wurde in Hofgeismar zum dritten Mal ein Kirchenarchivtag ausgerichtet. Die Gesamtleitung hatte die Leiterin des Landeskirchlichen Archivs Kassel, Bettina Wischhöfer. Vor zwanzig Jahren (1997) fand der 6. Süddeutsche Kirchenarchivtag in Hofgeismar statt und 2002 der 12. Norddeutsche Kirchenarchivtag.

Englischsprachiger ARCHION-Videoclip auf Youtube

Rechtzeitig zur International Germanic Genealogy Conference (IGGC), einer Internationalen Tagung für deutsche Genealogie in Minneapolis vom 28. bis 30. Juli 2017, präsentiert die Kirchenbuchportal GmbH einen englischsprachigen Clip auf Youtube.

Der Imagefilm wendet sich an Familienforscher und solche, die es werden wollen. Leicht verständlich und anschaulich werden die Möglichkeiten, die das Portal www.archion.de mit seinen Originalquellen seit 2015 bietet, in einer Geschichte verpackt erzählt (incl. Englischen Untertiteln).

Mrs. Smith, eine amerikanische Genealogin, möchte mehr über ihre deutschen Vorfahren wissen. Mit Archion, dem Portal, das die meisten deutschen Kirchenbücher online präsentiert, taucht sie in ihre Familiengeschichte ein. Drei Ereignisse, die sie in Archion findet, lassen ihre Wurzeln aufscheinen: Geburt und Taufe ihres Vorfahren Johann Friedrich Grabbe 1848 in Hamburg, bevor er mit seinen Eltern das Schiff nach Amerika betritt, die Hochzeit seiner Eltern 1847 in Neustadt und Tod und Begräbnis seines Großvaters 1820 in Altdorf. Die ständig wachsende Zahl der zur Verfügung gestellten Kirchenbücher eröffnen Mrs. Smith und allen Neugierigen beste Konditionen, die eigenen Wurzeln online zu entdecken.

Das deutschsprachige Trickfilm-Pendant befindet sich im Produktionsprozess und wird auf dem 27. Norddeutschen Kirchenarchivtag in Hofgeismar am 11. und 12. September 2017 vorgestellt und ebenfalls auf Youtube eingestellt werden.

Für die Herstellung der beiden Clips konnte die Trickfilmklasse der Kunsthochschule Kassel gewonnen werden. Damit findet die erfolgreiche Kooperation mit dem Verband kirchlicher Archive in der AABevK aus dem letzten Jahr eine Fortsetzung. Damals hatte die Trickfilmklasse den Imagefilm der evangelischen Archive kreiert. Der Clip wurde in den letzten zehn Monaten rund 14.000mal aufgerufen.

Daten zum Clip:
Länge: 1:30 min.
Technik: 2D Digitaler Zeichentrick
Konzept und Animation: Aaron Farkas, Theresa Grysczok, Delia Krohmer, Florian Maubach
Sprecherin: Lisa Frigand
Betreuung: Prof. Martina Bramkamp, Dr. Bettina Wischhöfer

Online-Umfrage Portalnutzung

Mit dem deutschen Kirchenbuchportal „Archion“, das am 20. März 2015 in den Echtbetrieb gestartet ist, gehen die Mitgliedseinrichtungen im Verband kirchlicher Archive einen wichtigen Schritt: Erschließungsinformationen und Digitalisate werden online bereitgestellt. Kirchliche und diakonische Archive haben darüber hinaus weitere wichtige Bestände, für die es gilt, zumindest die Erschließungsinformationen online zugänglich zu machen.

Um als Verband im Sinne der Mitgliedseinrichtungen wirken zu können, wollen wir hiermit eine Bestandsaufnahme machen. Es geht um die Fragen, welche Portale Sie für die benannten Zwecke bereits nutzen bzw. zukünftig einsetzten möchten, ob Sie eher kostenpflichtige Modelle bevorzugen und wo Sie Lücken und Defizite sehen.

Unten folgendem Link ist ein Fragebogen mit lediglich sechs Fragen aufrufbar, um deren Beantwortung wir Sie bitten: https://www.soscisurvey.de/VkA_Portalnutzung/

Für Ihre Teilnahme an der Umfrage bedanken wir uns herzlich! Alle Angaben sind freiwillig und werden vertraulich behandelt. Deadline ist der 31. Mai 2015.

Evangelische Kirche startet Kirchenbuchportal www.archion.de

Evangelische Kirchenbücher können ab sofort online eingesehen und von zu Hause aus erforscht werden. Das ermöglicht das neuartige Kirchenbuchportal „Archion“, das die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) in Zusammenarbeit mit elf evangelischen Landeskirchen entwickelt hat. Unter www.archion.de wurde das Kirchenbuchportal am 20. März 2015 in Kassel offiziell freigeschaltet.

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Große Freude bei der Freischaltung des Kirchenbuchportals im Kasseler Haus der Kirche (v.l.n.r.): Harald Müller-Baur (Geschäftsführer der Kirchenbuchportal GmbH, Stuttgart), Dr. Henning Pahl (Evangelisches Zentralarchiv, Berlin), Dr. Gabriele Stüber (Aufsichtsratsvorsitzende der Kirchenbuchportal GmbH, Speyer), Dirk Weissleder (Vorsitzender der Deutschen Arbeitsgemeinschaft genealogischer Verbände, Laatzen), Dr. Bettina Wischhöfer (Vorsitzende des Verbands kirchlicher Archive in der EKD, Kassel), Dr. Anne-Ruth Wellert (Kirchenrechtsoberrätin, Evangelische Kirche von Kurhessen-Waldeck, Kassel) (Foto: Landeskirchliches Archiv Kassel).

„Kirchenbücher sind weit mehr als Tabellen von Daten und Namen. Sie sind Spuren gelebter Vergangenheit“, erinnerte der Ratsvorsitzende der EKD, Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm, in einem Grußwort zum Portalstart. Zeugnisse der Vergangenheit zu erhalten und zur Auswertung bereitzustellen sei eine der vornehmsten Pflichten der evangelischen Archive. Zugleich bedeute jedes Blättern aber auch eine Gefahr für den Erhalt eines Kirchenbuchs. „Das nun entwickelte Kirchenbuchportal löst diesen Widerspruch zwischen Bestandserhaltung und Nutzerorientierung auf bestmögliche Art und Weise auf: Die Originale können geschützt im Magazin bleiben, und doch erhält jeder, der sich dafür interessiert, die Möglichkeit, die Kirchenbücher anzuschauen und auszuwerten, und zwar ganz bequem vom heimischen PC aus“, so der Ratsvorsitzende, dessen Grußwort von Dr. Henning Pahl vom Evangelischen Zentralarchiv Berlin vorgetragen wurde.

Insgesamt wurden bislang 2,5 Millionen Kirchenbuchseiten digitalisiert. Langfristig sollen etwa 200.000 evangelische Kirchenbücher online eingesehen werden können. Die Nutzung des Dienstes ist gebührenpflichtig, weil der Portalbetrieb sich refinanzieren und nicht dauerhaft von Fördergeldern abhängig sein soll. Zunächst könne nur ein Teil der Kirchenbücher eingesehen werden, aber es kämen regelmäßig neue Kirchenbücher dazu, so Bettina Wischhöfer, die Vorsitzende des Verbands kirchlicher Archive, die in ihrem Grußwort die Eckdaten der mittlerweile fast zehnjährigen Projektgeschichte des Kirchenbuchportals skizzierte.

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Bildschirmfoto des Online-Kirchenbuchportals http://www.archion.de

Das Portal bietet über die Recherche hinaus zudem eine Fülle an weiteren Funktionen: So können sich die Nutzer bei Archion in einem Forum austauschen, eigene Auswertungen in das Portal hochladen und Anderen zugänglich machen. Außerdem gibt es die Möglichkeit, einzelne Einträge oder ganze Kirchenbücher abzuschreiben. Das Ergebnis kann dann über die Recherchefunktion durchsucht und mit dem Original verglichen werden.

In einer vorgeschalteten Erprobungsphase hatten 4.000 Nutzer das Portal ausgiebig getestet. Das Portal wird stetig ausgebaut. Es steht auch für die Quellen von anderen kirchlichen und nichtkirchlichen Partnern zur Verfügung. Zur Umsetzung des Großprojekts haben sich zunächst elf evangelische Landeskirchen und die EKD zur Kirchenbuchportal GmbH zusammengeschlossen. Derzeit liegen schon weitere Anmeldungen für Beteiligungen an „Archion“ vor. Insbesondere in Richtung der katholischen Archive appellierte die Aufsichtsratsvorsitzende der Kirchenbuchportal GmbH, Gabriele Stüber in ihrem Grußwort, dass es „eine kultur- und archivpolitische Chance [sei], wenn wir uns in unserem Alleinstellungsmerkmal Kirchenbuch ökumenisch positionieren.“

(Eig. Ber.; Pressestelle der EKD, Carsten Splitt)

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Fotos: medio.tv/Socher

EKKW zur Eröffnung des Kirchenbuchportals ARCHION

Grußwort von Kirchenrechtsoberrätin Dr. Anne-Ruth Wellert, Evangelische Kirche von Kurhessen-Waldeck, Kassel, anlässlich der Freischaltung des Kirchenbuchportals „Archion“ am 20. März 2015 im Kasseler Haus der Kirche:

Kirchenrechtsoberrätin Dr. Anne-Ruth Wellert, Evangelische Kirche von Kurhessen-Waldeck, am 20. März 2015 (Foto: medio.tv/Socher)

Meine sehr verehrten Damen und Herren,

seien Sie herzlich willkommen zum heutigen offiziellen „Startschuss“ des Kirchenbuchportals Archion! Es ist mir eine große Freude, Sie als für unser Landeskirchliches Archiv zuständige Referentin im Namen der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck hier in unserem Haus der Kirche begrüßen zu dürfen.

„Das Kirchenbuchportal geht online“ – mit „Archion“ erblickt heute das Ergebnis einer gelungene Kooperation vieler engagierter EKD-Gliedkirchen das Licht der Öffentlichkeit. Und wir haben allen Grund, dies zu feiern!

Den Kirchen und dort vor allem ihren Archiven obliegt mit den Kirchenbüchern die Sorge für einen besonderen „Schatz“! Ihnen brauche ich die Bedeutung diese Bücher und der Informationen, die sie seit vielen Jahrhunderten überliefern, nicht zu erläutern. Das hieße, Eulen nach Athen zu tragen.

Diesen Schatz noch komfortabler zugänglich zu machen, moderne Rechercheformen anzubieten, mit denen sich künftig – wenn es gut geht – viele aufwändige Reisen in Archive erübrigen, das ist ein Ziel des Portals „Archion“.

Und, gestehen Sie mir diese Bemerkung zu: es ist sicher auch nicht ganz unpassend, dieses Ereignis gerade hier in Kassel zu feiern: Abgesehen davon, dass wir für die Meisten gut erreichbar in der Mitte Deutschlands liegen: Unsere kurhessische Landeskirche ist von Anfang an in der Person von Frau Dr. Wischhöfer an der Entwicklung des Kirchenbuchportals beteiligt gewesen. Hierfür gilt ihr heute mein Dank!

Seit 2010 wird in Kurhessen-Waldeck an der systematischen Digitalisierung unserer 8.000 Kirchenbücher gearbeitet. Mittlerweile sind 80% der Bestände digitalisiert, die dem Kirchenbuchportal zur Verfügung stehen.

Ich darf sagen, dass sich die Landeskirche dieses Projekt auch etwas kosten lässt: bislang wurden bereits 200.000 Euro zur Verfügung gestellt. Weitere Mittel sind nötig. Dies zeigt, dass in Kurhessen-Waldeck, wie in vielen anderen Kirchen, auch kirchenleitend ein großes Interesse daran besteht, in dieser zeitgemäßen Form die Kirchenbücher der Öffentlichkeit zur Verfügung zu stellen.

Und so darf ich Ihnen heute auch die herzlichen Grüße und Glückwünsche unseres Bischofs und des Vizepräsidenten der Landeskirche überbringen, die beide terminlich leider verhindert sind.

Das erste Grußwort muss Standards setzen: Ich tue es, indem ich jetzt schließe! Ich wünsche Ihnen einen angenehmen Aufenthalt im Haus der Kirche in Kassel, gute Gespräche und einen gelungenen Vormittag und danke für Ihre Aufmerksamkeit!

VkA zur Freischaltung des Kirchenbuchportals

Grußwort von Dr. Bettina Wischhöfer, Vorsitzende des Verbands kirchlicher Archive in der EKD, anlässlich der Freischaltung des Kirchenbuchportals „Archion“ am 20. März 2015 im Kasseler Haus der Kirche:

www.Archion.de - Das Kirchenbuchportal geht online

Dr. Bettina Wischhöfer, Vorsitzendes des Verbands kirchlicher Archive, am 20. März 2015 (Foto: medio.tv/Socher)

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Kolleginnen und Kollegen, wie groß ist die Schnittmenge zwischen Kirchenbüchern und Sonnenfinsternissen? Größer als Sie denken: gerade die älteren Kirchenbücher bis 1830 enthalten bisher nicht systematisch ausgewertete, sehr interessante chronikartige Beschreibungen. Auch astronomische Phänomene – erlauben Sie mir diesen Hinweis angesichts der heutigen partiellen Sofi – fanden ihren Niederschlag.

„Wann hier der Himmel hell und die Lufft klar / so werden wir Europäer diese Bedeckung der Sonnen recht zu Gesicht bekommen. … Diese Finsternueß wird fast groß seyn / dann die Sonne in dem Hessen-Casselischen Horizont fast [ganz] … von den Mond bedecket und dessen Liechts uns beraubet werden / welches dann bey vielen / sonderlich bey denen davon nicht unterrichteten / nicht wenig Schrecken verursachen doerffte“.

Beschrieben wurde diese partielle Sonnenfinsternis, ganz ähnlich der heutigen, 1699 im Kirchenbuch Altenhasungen (Kirchenkreis Wolfhagen). Übrigens ganz herzlichen Dank an meine Mitarbeiter, die diese Quelle gestern noch auf die Schnelle recherchiert haben.

„Wie diese Finsternueß / wann nur die Lufft klar und ohne Wolcken / erscheinen wird zu Cassel in Hessen fast umb halb 11 Uhr vor dem Mittage / und also zur Zeit ihrer groessesten Verdunckelung / solches habe ich in beygefuegter Figur vorstellen wollen / da dann zu sehen / daß von der Sonnen unten gegen Sueden nur etwas noch klar und ohnbedeckt oder ohnverdunckelt wird gesehen werden.“

Es folgt eine SoFi-Skizze, bezogen auf „Cassell in Hessen“.

soficassel

Landeskirchliches Archiv Kassel, E 1 Pfarrarchiv Altenhasungen Nr. 84, Kirchenbuch 1690-1701 im Hessischen Schreibkalender

In der Frühen Neuzeit wurden Himmelserscheinungen häufig als Vorboten kommender Katastrophen interpretiert. Wir nehmen die heutige Sonnenfinsternis als gutes Omen für Archion. Wer sich für derartige Fragestellungen interessiert, der kann ab heute komfortabel online in der hochspannenden Quelle der Kirchenbücher forschen.

Dass dies heute … endlich … möglich ist, hat zehn Jahre gedauert. Die allerersten Anfänge des Projekts liegen in Kassel, genauer im Landeskirchenamt. Im Februar 2005 diskutierte die Verbandsleitung … nur einen Raum weiter … unter dem Tagesordnungspunkt 8.4 die Reproduktionspraxis bei Kirchenbüchern. Daraus entwickelte sich eine Umfrage bei den Mitgliedsarchiven des Verbands kirchlicher Archive. Zur Vorbereitung eines Studientags in Hannover ging es darum, „wie die kirchlichen Archive auch in Zukunft die Verfügungsgewalt über ihre Quellen behalten können“. Damals wurde auch geklärt, ob die Landeskirchlichen Archive den Aufbau eigener Kirchenbuchdatenbanken planen.

Im Herbst wurde weiterdiskutiert: etwa die Möglichkeit, eigene Images digitalisierter Kirchenbücher im Netz zu präsentieren. Schließlich wurde Anfang 2006 in Nürnberg ventiliert, „ob es nicht doch einen eigenen kirchlichen Weg zur Digitalisierung gebe“ – es gab!

Der erwähnte Studientag fand dann im September 2006 in den EKD-Räumlichkeiten in Hannover statt – damals nahmen ähnlich viele Interessierte wie heute teil. Nachbereitet und festgeklopft wurde mit einer evaluierenden Umfrage im Verband: ein klares Votum für eine EKD-weite Kirchenbuch-Internetlösung stand unter dem Strich!

Was nun folgte, füllt inzwischen allein in meinem Dienstzimmer acht große Leitz-Ordner und hat weitere ungezählte Sitzungen und Telefonkonferenzen gedauert. Zeitweilig gab es neben dem Geschäftsführenden Ausschuss, der ökumenisch besetzt war, auch die Arbeitsgemeinschaften Recht, Technik, Funktionalitäten, Finanzen und Pilotierung. Beteiligt waren viele: Archivarinnen und Archivare – im besten Sinn zeigte und zeigt sich hier die Stärke des Verbands, Aufgaben in Angriff zu nehmen und zu bewältigen, die von einzelnen Archiven nicht geleistet werden können. Mitgearbeitet haben aber auch Marketing- und IT-Experten, Finanzprofis und Juristen, und last but not least Genealogen. Flankierend unterstützte das Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation seit 2011 das Projekt, und es ist sehr schön zu sehen, dass so viele langjährige Wegbegleiter heute nach Kassel gekommen sind!

Jetzt kurz noch einige Eckdaten einer Projektgeschichte, die auch Umwege und Schleifen hatte: Die katholischen Kollegen haben uns – wie eben angedeutet, eine Zeit lang (von 2008 bis 2010) begleitet, derzeit gehen wir auf unterschiedlichen Wegen.

Erste Hinweise auf die Internetpräsenz unseres Kirchenbuchportals finden sich ab Mai 2007. Seit 2010 wurden und werden in den einzelnen Landeskirchlichen Archiven verstärkt Kirchenbücher digitalisiert. Der Finanzbeirat der EKD gab 2011 und 2012 in Etappen grünes Licht für ein Darlehen. In der Phase bis zur Gründung der GmbH war übrigens Kassel – mal im Landeskirchenamt, öfter im Landeskirchlichen Archiv in der Lessingstraße – mit Abstand der meistfrequentierte Sitzungstreffpunkt.

Im Mai 2013 konnte die Kirchenbuchportal GmbH in Stuttgart gegründet werden, an Bord waren elf Landeskirchen und die EKD als Gesellschafter – und in naher Zukunft werden zwei weitere Landeskirchen als Gesellschafter dazu stoßen!

Wiederum in Kassel startete die geschlossene Beta-Phase – im September 2014 auf dem 66. Genealogentag mit insgesamt 4.000 Probenutzern. Und heute, mit Frühlingsbeginn und während die partielle Sonnenfinsternis ihr Maximum gerade vor wenigen Minuten überschritten hat, feiern wir in Kassel den Start in den Echtbetrieb! So hat der Ort schon etwas Historisches, dieser Tag aber in mehrfacher Hinsicht etwas Unikales, Einmaliges.

Von den zwölf Gesellschaftern der GmbH haben elf Vertreter entsandt. Mitglieder des Aufsichtsrats sind anwesend, der Geschäftsführer und die ausführenden Firmen sowieso. Nicht nur die Fachwelt, auch unsere Kunden, Genealogen und Wissenschaftler, sind unserer Einladung zahlreich gefolgt und feiern mit. Die nächste partielle Sonnenfinsternis heutiger Ausprägung in Mitteleuropa wird in gut zehn Jahren stattfinden – im August 2026, dann werden längst alle Kirchenbücher online zu recherchieren sein, zusammen mit vielen anderen personenbezogenen Quellen. Archion wird als Portal etabliert sein und wir treffen uns – so Gott will – in Kassel wieder.

Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit!