27. Norddeutscher Kirchenarchivtag am 11. und 12. September 2017 in Hofgeismar

Am 11. und 12. September 2017 fand in Hofgeismar der 27. Norddeutsche Kirchenarchivtag statt. 39 teilnehmende Archivarinnen und Archivare aus 24 evangelischen und zwei katholischen Archiven diskutierten drängende Fragestellungen der archivischen Praxis. Wie kann ein angemessener Einsatz interaktiver Medien in kleineren Archiven aussehen? Welche Rolle kann und muss ein Archiv im Rahmen der Einführung eines Document Management Systems (DMS) spielen und welche kann es nicht leisten? Welche konkreten Strategien könnten erfolgversprechend sein in Zeiten, in denen einige Archive bereits so zusammengespart sind, dass sie ihren Auftrag, obwohl er in Archivgesetzen niedergelegt ist, nicht mehr komplett erfüllen können? Ein breit angelegter Workshop suchte nach Lösungsansätzen und praktikablen Wegen in eine Zukunft mit Archiven.

Workshop

Abb.: Workshop „Strategie konkret“ in fünf Themengruppen im Synodalsaal Hofgeismar (Foto: Ralf Gerstheimer)

Und in Hofgeismar wurde eine echte Premiere geboten. Archion2, der deutschsprachige Video-Clip der Kirchenbuchportal GmbH, der in Kooperation mit der Trickfilmklasse der Kunsthochschule Kassel entstanden ist, wurde erstmalig öffentlich aufgeführt:

Der Video-Clip zeigt in einer 90 Sekunden-Geschichte die Möglichkeiten des Portals www.archion.de auf. Das englischsprachige Pendant wurde bereits vor einigen Wochen, rechtzeitig zur International Germanic Genealogy Conference (IGGC), einer Internationalen Tagung für deutsche Genealogie in Minneapolis vom 28. bis 30. Juli 2017, auf Youtube präsentiert: https://www.youtube.com/watch?v=j5OGmOU58EE&t=7s (bisher 1.300mal aufgerufen).

In diesem Jahr wurde in Hofgeismar zum dritten Mal ein Kirchenarchivtag ausgerichtet. Die Gesamtleitung hatte die Leiterin des Landeskirchlichen Archivs Kassel, Bettina Wischhöfer. Vor zwanzig Jahren (1997) fand der 6. Süddeutsche Kirchenarchivtag in Hofgeismar statt und 2002 der 12. Norddeutsche Kirchenarchivtag.

Englischsprachiger ARCHION-Videoclip auf Youtube

Rechtzeitig zur International Germanic Genealogy Conference (IGGC), einer Internationalen Tagung für deutsche Genealogie in Minneapolis vom 28. bis 30. Juli 2017, präsentiert die Kirchenbuchportal GmbH einen englischsprachigen Clip auf Youtube.

Der Imagefilm wendet sich an Familienforscher und solche, die es werden wollen. Leicht verständlich und anschaulich werden die Möglichkeiten, die das Portal www.archion.de mit seinen Originalquellen seit 2015 bietet, in einer Geschichte verpackt erzählt (incl. Englischen Untertiteln).

Mrs. Smith, eine amerikanische Genealogin, möchte mehr über ihre deutschen Vorfahren wissen. Mit Archion, dem Portal, das die meisten deutschen Kirchenbücher online präsentiert, taucht sie in ihre Familiengeschichte ein. Drei Ereignisse, die sie in Archion findet, lassen ihre Wurzeln aufscheinen: Geburt und Taufe ihres Vorfahren Johann Friedrich Grabbe 1848 in Hamburg, bevor er mit seinen Eltern das Schiff nach Amerika betritt, die Hochzeit seiner Eltern 1847 in Neustadt und Tod und Begräbnis seines Großvaters 1820 in Altdorf. Die ständig wachsende Zahl der zur Verfügung gestellten Kirchenbücher eröffnen Mrs. Smith und allen Neugierigen beste Konditionen, die eigenen Wurzeln online zu entdecken.

Das deutschsprachige Trickfilm-Pendant befindet sich im Produktionsprozess und wird auf dem 27. Norddeutschen Kirchenarchivtag in Hofgeismar am 11. und 12. September 2017 vorgestellt und ebenfalls auf Youtube eingestellt werden.

Für die Herstellung der beiden Clips konnte die Trickfilmklasse der Kunsthochschule Kassel gewonnen werden. Damit findet die erfolgreiche Kooperation mit dem Verband kirchlicher Archive in der AABevK aus dem letzten Jahr eine Fortsetzung. Damals hatte die Trickfilmklasse den Imagefilm der evangelischen Archive kreiert. Der Clip wurde in den letzten zehn Monaten rund 14.000mal aufgerufen.

Daten zum Clip:
Länge: 1:30 min.
Technik: 2D Digitaler Zeichentrick
Konzept und Animation: Aaron Farkas, Theresa Grysczok, Delia Krohmer, Florian Maubach
Sprecherin: Lisa Frigand
Betreuung: Prof. Martina Bramkamp, Dr. Bettina Wischhöfer

Online-Umfrage Portalnutzung

Mit dem deutschen Kirchenbuchportal „Archion“, das am 20. März 2015 in den Echtbetrieb gestartet ist, gehen die Mitgliedseinrichtungen im Verband kirchlicher Archive einen wichtigen Schritt: Erschließungsinformationen und Digitalisate werden online bereitgestellt. Kirchliche und diakonische Archive haben darüber hinaus weitere wichtige Bestände, für die es gilt, zumindest die Erschließungsinformationen online zugänglich zu machen.

Um als Verband im Sinne der Mitgliedseinrichtungen wirken zu können, wollen wir hiermit eine Bestandsaufnahme machen. Es geht um die Fragen, welche Portale Sie für die benannten Zwecke bereits nutzen bzw. zukünftig einsetzten möchten, ob Sie eher kostenpflichtige Modelle bevorzugen und wo Sie Lücken und Defizite sehen.

Unten folgendem Link ist ein Fragebogen mit lediglich sechs Fragen aufrufbar, um deren Beantwortung wir Sie bitten: https://www.soscisurvey.de/VkA_Portalnutzung/

Für Ihre Teilnahme an der Umfrage bedanken wir uns herzlich! Alle Angaben sind freiwillig und werden vertraulich behandelt. Deadline ist der 31. Mai 2015.

Evangelische Kirche startet Kirchenbuchportal www.archion.de

Evangelische Kirchenbücher können ab sofort online eingesehen und von zu Hause aus erforscht werden. Das ermöglicht das neuartige Kirchenbuchportal „Archion“, das die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) in Zusammenarbeit mit elf evangelischen Landeskirchen entwickelt hat. Unter www.archion.de wurde das Kirchenbuchportal am 20. März 2015 in Kassel offiziell freigeschaltet.

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Große Freude bei der Freischaltung des Kirchenbuchportals im Kasseler Haus der Kirche (v.l.n.r.): Harald Müller-Baur (Geschäftsführer der Kirchenbuchportal GmbH, Stuttgart), Dr. Henning Pahl (Evangelisches Zentralarchiv, Berlin), Dr. Gabriele Stüber (Aufsichtsratsvorsitzende der Kirchenbuchportal GmbH, Speyer), Dirk Weissleder (Vorsitzender der Deutschen Arbeitsgemeinschaft genealogischer Verbände, Laatzen), Dr. Bettina Wischhöfer (Vorsitzende des Verbands kirchlicher Archive in der EKD, Kassel), Dr. Anne-Ruth Wellert (Kirchenrechtsoberrätin, Evangelische Kirche von Kurhessen-Waldeck, Kassel) (Foto: Landeskirchliches Archiv Kassel).

„Kirchenbücher sind weit mehr als Tabellen von Daten und Namen. Sie sind Spuren gelebter Vergangenheit“, erinnerte der Ratsvorsitzende der EKD, Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm, in einem Grußwort zum Portalstart. Zeugnisse der Vergangenheit zu erhalten und zur Auswertung bereitzustellen sei eine der vornehmsten Pflichten der evangelischen Archive. Zugleich bedeute jedes Blättern aber auch eine Gefahr für den Erhalt eines Kirchenbuchs. „Das nun entwickelte Kirchenbuchportal löst diesen Widerspruch zwischen Bestandserhaltung und Nutzerorientierung auf bestmögliche Art und Weise auf: Die Originale können geschützt im Magazin bleiben, und doch erhält jeder, der sich dafür interessiert, die Möglichkeit, die Kirchenbücher anzuschauen und auszuwerten, und zwar ganz bequem vom heimischen PC aus“, so der Ratsvorsitzende, dessen Grußwort von Dr. Henning Pahl vom Evangelischen Zentralarchiv Berlin vorgetragen wurde.

Insgesamt wurden bislang 2,5 Millionen Kirchenbuchseiten digitalisiert. Langfristig sollen etwa 200.000 evangelische Kirchenbücher online eingesehen werden können. Die Nutzung des Dienstes ist gebührenpflichtig, weil der Portalbetrieb sich refinanzieren und nicht dauerhaft von Fördergeldern abhängig sein soll. Zunächst könne nur ein Teil der Kirchenbücher eingesehen werden, aber es kämen regelmäßig neue Kirchenbücher dazu, so Bettina Wischhöfer, die Vorsitzende des Verbands kirchlicher Archive, die in ihrem Grußwort die Eckdaten der mittlerweile fast zehnjährigen Projektgeschichte des Kirchenbuchportals skizzierte.

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Bildschirmfoto des Online-Kirchenbuchportals http://www.archion.de

Das Portal bietet über die Recherche hinaus zudem eine Fülle an weiteren Funktionen: So können sich die Nutzer bei Archion in einem Forum austauschen, eigene Auswertungen in das Portal hochladen und Anderen zugänglich machen. Außerdem gibt es die Möglichkeit, einzelne Einträge oder ganze Kirchenbücher abzuschreiben. Das Ergebnis kann dann über die Recherchefunktion durchsucht und mit dem Original verglichen werden.

In einer vorgeschalteten Erprobungsphase hatten 4.000 Nutzer das Portal ausgiebig getestet. Das Portal wird stetig ausgebaut. Es steht auch für die Quellen von anderen kirchlichen und nichtkirchlichen Partnern zur Verfügung. Zur Umsetzung des Großprojekts haben sich zunächst elf evangelische Landeskirchen und die EKD zur Kirchenbuchportal GmbH zusammengeschlossen. Derzeit liegen schon weitere Anmeldungen für Beteiligungen an „Archion“ vor. Insbesondere in Richtung der katholischen Archive appellierte die Aufsichtsratsvorsitzende der Kirchenbuchportal GmbH, Gabriele Stüber in ihrem Grußwort, dass es „eine kultur- und archivpolitische Chance [sei], wenn wir uns in unserem Alleinstellungsmerkmal Kirchenbuch ökumenisch positionieren.“

(Eig. Ber.; Pressestelle der EKD, Carsten Splitt)

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Fotos: medio.tv/Socher

EKKW zur Eröffnung des Kirchenbuchportals ARCHION

Grußwort von Kirchenrechtsoberrätin Dr. Anne-Ruth Wellert, Evangelische Kirche von Kurhessen-Waldeck, Kassel, anlässlich der Freischaltung des Kirchenbuchportals „Archion“ am 20. März 2015 im Kasseler Haus der Kirche:

Kirchenrechtsoberrätin Dr. Anne-Ruth Wellert, Evangelische Kirche von Kurhessen-Waldeck, am 20. März 2015 (Foto: medio.tv/Socher)

Meine sehr verehrten Damen und Herren,

seien Sie herzlich willkommen zum heutigen offiziellen „Startschuss“ des Kirchenbuchportals Archion! Es ist mir eine große Freude, Sie als für unser Landeskirchliches Archiv zuständige Referentin im Namen der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck hier in unserem Haus der Kirche begrüßen zu dürfen.

„Das Kirchenbuchportal geht online“ – mit „Archion“ erblickt heute das Ergebnis einer gelungene Kooperation vieler engagierter EKD-Gliedkirchen das Licht der Öffentlichkeit. Und wir haben allen Grund, dies zu feiern!

Den Kirchen und dort vor allem ihren Archiven obliegt mit den Kirchenbüchern die Sorge für einen besonderen „Schatz“! Ihnen brauche ich die Bedeutung diese Bücher und der Informationen, die sie seit vielen Jahrhunderten überliefern, nicht zu erläutern. Das hieße, Eulen nach Athen zu tragen.

Diesen Schatz noch komfortabler zugänglich zu machen, moderne Rechercheformen anzubieten, mit denen sich künftig – wenn es gut geht – viele aufwändige Reisen in Archive erübrigen, das ist ein Ziel des Portals „Archion“.

Und, gestehen Sie mir diese Bemerkung zu: es ist sicher auch nicht ganz unpassend, dieses Ereignis gerade hier in Kassel zu feiern: Abgesehen davon, dass wir für die Meisten gut erreichbar in der Mitte Deutschlands liegen: Unsere kurhessische Landeskirche ist von Anfang an in der Person von Frau Dr. Wischhöfer an der Entwicklung des Kirchenbuchportals beteiligt gewesen. Hierfür gilt ihr heute mein Dank!

Seit 2010 wird in Kurhessen-Waldeck an der systematischen Digitalisierung unserer 8.000 Kirchenbücher gearbeitet. Mittlerweile sind 80% der Bestände digitalisiert, die dem Kirchenbuchportal zur Verfügung stehen.

Ich darf sagen, dass sich die Landeskirche dieses Projekt auch etwas kosten lässt: bislang wurden bereits 200.000 Euro zur Verfügung gestellt. Weitere Mittel sind nötig. Dies zeigt, dass in Kurhessen-Waldeck, wie in vielen anderen Kirchen, auch kirchenleitend ein großes Interesse daran besteht, in dieser zeitgemäßen Form die Kirchenbücher der Öffentlichkeit zur Verfügung zu stellen.

Und so darf ich Ihnen heute auch die herzlichen Grüße und Glückwünsche unseres Bischofs und des Vizepräsidenten der Landeskirche überbringen, die beide terminlich leider verhindert sind.

Das erste Grußwort muss Standards setzen: Ich tue es, indem ich jetzt schließe! Ich wünsche Ihnen einen angenehmen Aufenthalt im Haus der Kirche in Kassel, gute Gespräche und einen gelungenen Vormittag und danke für Ihre Aufmerksamkeit!

VkA zur Freischaltung des Kirchenbuchportals

Grußwort von Dr. Bettina Wischhöfer, Vorsitzende des Verbands kirchlicher Archive in der EKD, anlässlich der Freischaltung des Kirchenbuchportals „Archion“ am 20. März 2015 im Kasseler Haus der Kirche:

www.Archion.de - Das Kirchenbuchportal geht online

Dr. Bettina Wischhöfer, Vorsitzendes des Verbands kirchlicher Archive, am 20. März 2015 (Foto: medio.tv/Socher)

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Kolleginnen und Kollegen, wie groß ist die Schnittmenge zwischen Kirchenbüchern und Sonnenfinsternissen? Größer als Sie denken: gerade die älteren Kirchenbücher bis 1830 enthalten bisher nicht systematisch ausgewertete, sehr interessante chronikartige Beschreibungen. Auch astronomische Phänomene – erlauben Sie mir diesen Hinweis angesichts der heutigen partiellen Sofi – fanden ihren Niederschlag.

„Wann hier der Himmel hell und die Lufft klar / so werden wir Europäer diese Bedeckung der Sonnen recht zu Gesicht bekommen. … Diese Finsternueß wird fast groß seyn / dann die Sonne in dem Hessen-Casselischen Horizont fast [ganz] … von den Mond bedecket und dessen Liechts uns beraubet werden / welches dann bey vielen / sonderlich bey denen davon nicht unterrichteten / nicht wenig Schrecken verursachen doerffte“.

Beschrieben wurde diese partielle Sonnenfinsternis, ganz ähnlich der heutigen, 1699 im Kirchenbuch Altenhasungen (Kirchenkreis Wolfhagen). Übrigens ganz herzlichen Dank an meine Mitarbeiter, die diese Quelle gestern noch auf die Schnelle recherchiert haben.

„Wie diese Finsternueß / wann nur die Lufft klar und ohne Wolcken / erscheinen wird zu Cassel in Hessen fast umb halb 11 Uhr vor dem Mittage / und also zur Zeit ihrer groessesten Verdunckelung / solches habe ich in beygefuegter Figur vorstellen wollen / da dann zu sehen / daß von der Sonnen unten gegen Sueden nur etwas noch klar und ohnbedeckt oder ohnverdunckelt wird gesehen werden.“

Es folgt eine SoFi-Skizze, bezogen auf „Cassell in Hessen“.

soficassel

Landeskirchliches Archiv Kassel, E 1 Pfarrarchiv Altenhasungen Nr. 84, Kirchenbuch 1690-1701 im Hessischen Schreibkalender

In der Frühen Neuzeit wurden Himmelserscheinungen häufig als Vorboten kommender Katastrophen interpretiert. Wir nehmen die heutige Sonnenfinsternis als gutes Omen für Archion. Wer sich für derartige Fragestellungen interessiert, der kann ab heute komfortabel online in der hochspannenden Quelle der Kirchenbücher forschen.

Dass dies heute … endlich … möglich ist, hat zehn Jahre gedauert. Die allerersten Anfänge des Projekts liegen in Kassel, genauer im Landeskirchenamt. Im Februar 2005 diskutierte die Verbandsleitung … nur einen Raum weiter … unter dem Tagesordnungspunkt 8.4 die Reproduktionspraxis bei Kirchenbüchern. Daraus entwickelte sich eine Umfrage bei den Mitgliedsarchiven des Verbands kirchlicher Archive. Zur Vorbereitung eines Studientags in Hannover ging es darum, „wie die kirchlichen Archive auch in Zukunft die Verfügungsgewalt über ihre Quellen behalten können“. Damals wurde auch geklärt, ob die Landeskirchlichen Archive den Aufbau eigener Kirchenbuchdatenbanken planen.

Im Herbst wurde weiterdiskutiert: etwa die Möglichkeit, eigene Images digitalisierter Kirchenbücher im Netz zu präsentieren. Schließlich wurde Anfang 2006 in Nürnberg ventiliert, „ob es nicht doch einen eigenen kirchlichen Weg zur Digitalisierung gebe“ – es gab!

Der erwähnte Studientag fand dann im September 2006 in den EKD-Räumlichkeiten in Hannover statt – damals nahmen ähnlich viele Interessierte wie heute teil. Nachbereitet und festgeklopft wurde mit einer evaluierenden Umfrage im Verband: ein klares Votum für eine EKD-weite Kirchenbuch-Internetlösung stand unter dem Strich!

Was nun folgte, füllt inzwischen allein in meinem Dienstzimmer acht große Leitz-Ordner und hat weitere ungezählte Sitzungen und Telefonkonferenzen gedauert. Zeitweilig gab es neben dem Geschäftsführenden Ausschuss, der ökumenisch besetzt war, auch die Arbeitsgemeinschaften Recht, Technik, Funktionalitäten, Finanzen und Pilotierung. Beteiligt waren viele: Archivarinnen und Archivare – im besten Sinn zeigte und zeigt sich hier die Stärke des Verbands, Aufgaben in Angriff zu nehmen und zu bewältigen, die von einzelnen Archiven nicht geleistet werden können. Mitgearbeitet haben aber auch Marketing- und IT-Experten, Finanzprofis und Juristen, und last but not least Genealogen. Flankierend unterstützte das Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation seit 2011 das Projekt, und es ist sehr schön zu sehen, dass so viele langjährige Wegbegleiter heute nach Kassel gekommen sind!

Jetzt kurz noch einige Eckdaten einer Projektgeschichte, die auch Umwege und Schleifen hatte: Die katholischen Kollegen haben uns – wie eben angedeutet, eine Zeit lang (von 2008 bis 2010) begleitet, derzeit gehen wir auf unterschiedlichen Wegen.

Erste Hinweise auf die Internetpräsenz unseres Kirchenbuchportals finden sich ab Mai 2007. Seit 2010 wurden und werden in den einzelnen Landeskirchlichen Archiven verstärkt Kirchenbücher digitalisiert. Der Finanzbeirat der EKD gab 2011 und 2012 in Etappen grünes Licht für ein Darlehen. In der Phase bis zur Gründung der GmbH war übrigens Kassel – mal im Landeskirchenamt, öfter im Landeskirchlichen Archiv in der Lessingstraße – mit Abstand der meistfrequentierte Sitzungstreffpunkt.

Im Mai 2013 konnte die Kirchenbuchportal GmbH in Stuttgart gegründet werden, an Bord waren elf Landeskirchen und die EKD als Gesellschafter – und in naher Zukunft werden zwei weitere Landeskirchen als Gesellschafter dazu stoßen!

Wiederum in Kassel startete die geschlossene Beta-Phase – im September 2014 auf dem 66. Genealogentag mit insgesamt 4.000 Probenutzern. Und heute, mit Frühlingsbeginn und während die partielle Sonnenfinsternis ihr Maximum gerade vor wenigen Minuten überschritten hat, feiern wir in Kassel den Start in den Echtbetrieb! So hat der Ort schon etwas Historisches, dieser Tag aber in mehrfacher Hinsicht etwas Unikales, Einmaliges.

Von den zwölf Gesellschaftern der GmbH haben elf Vertreter entsandt. Mitglieder des Aufsichtsrats sind anwesend, der Geschäftsführer und die ausführenden Firmen sowieso. Nicht nur die Fachwelt, auch unsere Kunden, Genealogen und Wissenschaftler, sind unserer Einladung zahlreich gefolgt und feiern mit. Die nächste partielle Sonnenfinsternis heutiger Ausprägung in Mitteleuropa wird in gut zehn Jahren stattfinden – im August 2026, dann werden längst alle Kirchenbücher online zu recherchieren sein, zusammen mit vielen anderen personenbezogenen Quellen. Archion wird als Portal etabliert sein und wir treffen uns – so Gott will – in Kassel wieder.

Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit!

Der EKD-Ratsvorsitzende zur Eröffnung von ARCHION

Grußwort des Ratsvorsitzenden Prof. Dr. Heinrich Bedford-Strohm zur offiziellen Eröffnung des Kirchenbuchportals ARCHION im Internet am 20. März 2015 im Kasseler Haus der Kirche:

Kirchenbücher sind weit mehr als Tabellen von Daten und Namen. Sie sind Spuren gelebter Vergangenheit, Zeugnisse von Schicksalen und Lebenswegen: von der Geburt eines Menschen, seinen Eltern und Paten, über die Konfirmation, Abendmahlsteilnahmen, die Trauung und Trauzeugen, den Beruf und die soziale Stellung, bis hin zur Bestattung, der Todesursache und dem Todeszeitpunkt. Man erfährt von Nachbarschaftsbeziehungen und Gesellschaftsverhältnissen, von vergangenen Sittlichkeitsvorstellungen, etwa dem Umgang mit unehelichen Geburten, Ehebruch, Findelkindern oder Fällen von Suizid, aber auch über die Stellung von Mann und Frau.

Schaut man genauer hin und setzt die Einträge in Beziehung zueinander, so entsteht ein facettenreiches Bild von lebendiger evangelischer Gemeinschaft und gelebtem evangelischem Glauben. Und dabei kommen nicht nur die Großen und Machtvollen unserer Gesellschaft in den Blick, sondern jeder und jede Einzelne – auch die vermeintlich „kleinen“ und „kleinsten“ Glieder unserer Gesellschaft. Kirchenbücher sind also eine zutiefst demokratische historische Quelle.

Ein Beispiel von vielen ist die folgende Schilderung des tödlichen Unfalls von Catharina Schwarz, aufgezeichnet im Bestattungsbuch für den Ort See-Buckow in Pommern (Kr. Schlawe) unter dem Datum des 3. August 1811:

„Catharina Schwarzen, Ehefrau des Kossäthen [Kötter: Dorfbewohner mit nur wenig Landbesitz, die meist auch als Tagelöhner auf Bauern- und Herrenhöfen arbeiteten] Jacob Kruckow in Bussow, hatte das Unglück, den 2ten August in einem Wasserteiche vor der Sackbrücke zwischen Ruegenwalde und Rußhagen zu ertrinken.
Sie war des Morgens früh nach Ruegenwalde mit ihrem Manne gefahren, um Leinwand zu verkaufen. Auf der Rückfahrt gegen 9 Uhr Morgens fällt es unglücklicher Weise dem Manne ein, die Ochsen vor dem Wagen zu tränken. Weil er aber sieht, dass der Weg zu abschüssig ist, so will er die Ochsen auf der anderen Seite des Teiches ins Wasser gehen lassen.
Jetzt, wie die Ochsen das Wasser sehen, laufen sie unaufhaltsam demselben zu, der Wagen geht im tiefen Wasser auf die Seite; die Frau, die das für Leinwand gelöste Geld in der Schürze hat, kann den Zuruf ihres Mannes, sich festzuhalten, nicht befolgen, fällt in das Wasser, während der Mann mit Wagen und Ochsen durch das Wasser schwimmt, und büßte so ihr Leben in einem Alter von 27 J[ahren] 8 M[onaten] u[nd] 15 T[agen] ein. Sie wurde den 3ten Aug[gust] mit einer Leichenpredigt beerdigt. Text: Esaja 55, 78 u[nd] 9. Sie hat mit ihrem Manne 5 J[ahre] 9 M[onate] u[nd] 17 T[age] in e[iner] sehr guten Ehe gelebt. Um so herber ist dieser Verlust für den Wittwer, da beide sich sehr liebten.“

Zeugnisse der Vergangenheit wie dieses zu erhalten und zur Auswertung bereitzustellen, ist eine der vornehmsten Pflichten der evangelischen Archive. Viele tausend Menschen bitten jedes Jahr darum, Einsicht in Kirchenbücher nehmen zu können. Auch und besonders diejenigen, die aus widrigen Umständen von ihrer Vergangenheit abgeschnitten sind. Sie erhoffen sich dadurch Einblick in das Leben ihrer Eltern, Großeltern und Urgroßeltern. Nicht selten sind es unerwartete und überraschende Erkenntnisse, die sie gewinnen: wenn z.B. Adoptivkinder endlich den Namen der leiblichen Eltern lesen oder wenn nach vielen Jahren Klarheit darüber gewonnen wird, woher die Familie wirklich stammt. Die Nutzung eines Kirchenbuchs ist für denjenigen, der nach seiner Vergangenheit sucht, von großem Wert.

Zugleich bedeutet jede Nutzung aber auch eine Gefahr für den Erhalt des Kirchenbuchs. Denn das Papier der vergangenen Jahrhunderte leidet unter dem wiederholten Durchblättern und Kopieren. Viele Bücher sind so akut in ihrem Erhalt bedroht, dass sie Nutzern nicht mehr vorgelegt werden können.

ARCHION“, das nun entwickelte Kirchenbuchportal löst diesen Widerspruch zwischen Bestandserhaltung und Nutzerorientierung auf bestmögliche Art und Weise: Die Originale können geschützt im Magazin bleiben, und doch erhält jeder, der sich dafür interessiert, die Möglichkeit, die Kirchenbücher anzuschauen und auszuwerten, und zwar ganz bequem vom heimischen PC aus. Das war das Ziel, das sich die Evangelische Kirche in Deutschland und 11 evangelische Landeskirchen* im Mai 2013 gesetzt haben. Heute wird es realisiert. 3 Millionen Digitalisate von Kirchenbüchern gehen heute online. Weitere werden in den kommenden Monaten hinzukommen.

„ARCHION“ ermöglicht zuerst die Recherche und Einsichtnahme in Kirchenbücher. Darüber hinaus erhalten die Nutzerinnen und Nutzer die Möglichkeit, Kirchenbucheinträge zu transkribieren, zu kommentieren und die gewonnen Informationen mit anderen Benutzern zu teilen. Dadurch kann sich das Kirchenbuchportal zu einer Wissensplattform für alle Fragen der genealogischen Forschung entwickeln.

Es ist für mich sofort einsichtig, dass dieses neuartige Serviceangebot nur gegen eine Gebühr zur Verfügung gestellt werden kann. Die erforderliche Technik und das dafür erforderliche Personal verursachen erhebliche Kosten, die nicht über die Kirchensteuer finanziert werden sollen. Dabei sind die Entgelte knapp kalkuliert und fallen viel geringer ins Gewicht, als beispielsweise eine Anreise ins Archiv nach Berlin oder sogar eine Übernachtung im Hotel.

Ich wünsche dem digitalen Kirchenbuchportal denselben Erfolg und die Langlebigkeit, die auch die Kirchenbücher selbst seit einem halben Jahrtausend in Deutschland haben. Und den Nutzerinnen und Nutzern des Kirchenbuchportals wünsche ich viele intensive Begegnungen mit der persönlichen Geschichte sowie mit der Geschichte des evangelischen Lebens in den vergangenen Jahrhunderten.

Mit herzlichen Grüßen
Landesbischof Dr. Heinrich Bedford-Strohm, Vorsitzender des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland

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* Evangelische Landeskirche Anhalts, Evangelische Landeskirche in Baden, Evangelisch-Lutherische Kirche in Bayern, Evangelische Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz, Evangelisch-lutherische Landeskirche Hannovers, Evangelische Kirche in Hessen und Nassau, Evangelische Kirche von Kurhessen-Waldeck, Evangelisch-Lutherische Kirche in Norddeutschland, Evangelische Kirche der Pfalz, Evangelische Kirche von Westfalen, Evangelische Landeskirche in Württemberg

Kirchenbuchportal GmbH zur Freischaltung von ARCHION

Grußwort von Dr. Gabriele Stüber, Aufsichtsratsvorsitzende der Kirchenbuchportal GmbH, anlässlich der Freischaltung des Kirchenbuchportals “Archion” am 20. März 2015 im Kasseler Haus der Kirche:

Archion – Aufbruch, Positionierung, Perspektiven

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Kolleginnen und Kollegen,
heute ist ein wichtiger Tag für alle, die das Projekt „Kirchenbuchportal“ seit Jahren begleitet haben. Wir haben es gehört, und im Saal sitzen viele Wegbegleiter, die die Entwicklung mit erlebt haben. Deshalb danke ich auch noch einmal im Namen des Aufsichtsrates der Kirchenbuchportal GmbH allen, die den Mut nicht verloren und durchgehalten haben. Ich danke aber auch all jenen, die sich jetzt an „Archion“ beteiligen werden und zum Erfolg des Produkts beitragen wollen.
Ich möchte das bisher Gesagte durch einige Akzente abrunden. Meine Bemerkungen stehen unter der Prämisse „Aufbruch, Positionierung, Perspektiven“.

www.Archion.de - Das Kirchenbuchportal geht online

Dr. Gabriele Stüber, Aufsichtsratsvorsitzende der Kirchenbuchportal GmbH, am 20. März 2015 (Foto: medio.tv/Socher)

1. Aufbruch

Wir – d. h. die evangelischen Archive und die katholischen Archive – sind im Aufbruch und dies schon seit einigen Jahren. Einen Teil des Weges sind wir gemeinsam gegangen. Auch andere Archive beschreiten mit Portallösungen auf verschiedenen Ebenen neue Wege. Es gibt zahlreiche Portale in Deutschland, die letzte Ausgabe der Fachzeitschrift „Archivar“ hat den Portalen gar einen eigenen Schwerpunkt gewidmet.

Wer aufbricht, sollte wissen, wo es hingeht. Alle Archive, alle Kultureinrichtungen, verbindet das Bestreben, ihrer Klientel und auch ganz neuen Nutzergruppen Zugang zu Informationen zu ermöglichen, um es einmal ganz allgemein auszudrücken. Dabei setzen die meisten auf die Einwerbung von Drittmitteln, vorzugsweise der Deutschen Forschungsgemeinschaft oder auch der Europäischen Gemeinschaft. Archion geht anders vor.

2. Positionierung

Archion ist ein Portal, das Geld für seine Dienstleistungen nimmt. Das hat uns auch Kritik eingebracht, insbesondere von den Verfechtern eines „Open Access“. Aber wenn man das Thema näher betrachtet, wird man feststellen: „Open Access“ gibt es streng genommen nicht.

Einerseits, weil das Netz nicht allen Menschen überall zugänglich ist, aber was nicht ist, kann ja noch werden. Open Access aber gibt es vor allem aus folgendem Grund nicht: Jeder Zugang zu Daten im Netz ist mit Kosten verbunden. Es ist nur die Frage, wer an welcher Stelle zahlt. Denn, und ich wiederhole es, weil es von den Verfechtern des Open Access nicht formuliert wird, gezahlt werden muss. Es kostet Geld, ein Portal zu implementieren, es kostet Geld, Daten zu erzeugen, es kostet Geld, Daten vorzuhalten, zu pflegen, das Portal stetig zu erweitern und es an neue technische Gegebenheiten anzupassen.

Nun könnte man argumentieren, dass ja die Menschen durch die Steuern, die sie an die Kirche oder den Staat zahlen, schon Geld eingebracht haben. Das stimmt. Aber es gibt Angebote, die gar nicht alle nutzen oder die auf längere oder auch schon kürzere Sicht so teuer sind, dass durchaus Überlegungen angestellt werden, diese Angebote gebührenpflichtig zu machen, man denke etwa an die Debatte um die Autobahngebühr.

Übertragen auf Archion und Familienforschung etwa könnte der provozierende Satz lauten: Es ist nicht einzusehen, warum ein Dachdecker ohne familiengeschichtliches Interesse mit zahlen soll für das genealogische Hobby eines Lehrers im Ruhestand. Wir können die Personen auch umdrehen oder es so formulieren: Wir können durch allgemeine Kirchensteuern keine private oder gewerbliche Familienforschung ausschließlich finanzieren. Wir finanzieren das z. T. bereits, weil wir in den Landeskirchlichen Archiven in die Digitalisierung investieren.

Es gibt aber noch einen anderen existentiellen Grund für Gebühren. Die meisten Portale im Kulturbereich werden durch Fördergelder, kurz Drittmittel, finanziert. Das hat auch Schattenseiten. Auf einer Tagung der Henkel-Stiftung in Düsseldorf zum Thema „Die Zukunft der Wissensspeicher“ Anfang März des Jahres belegte ein Referent, dass zahlreiche Portale , die einst mit erheblichen Drittmitteln ins Leben traten, inzwischen im Netz nicht mehr auffindbar seien. Dieser Befund lässt den Schluss zu, dass Portale, deren Drittmittelförderung ausläuft, offenbar selten von allein weiterlaufen.

Insofern sind wir gut beraten, Archion als ein entgeltpflichtiges Serviceangebot am Markt anzubieten. Dabei möchte ich betonen, dass wir auch im allgemeinen Informationsteil – und auf den legen wir sehr viel Wert – ein gebührenfreies Segment haben, das allen Interessierten offen steht.

Offenbar gilt es aber immer noch als etwas anrüchig im Kulturbereich, für Dienstleistungen im Netz Gebühren zu erheben. Dabei betreiben etwa Portale aus dem Bereich der Naturwissenschaften diese Praxis seit Jahren. Die Akzeptanz bei der Klientel der Familienforscher war im Blog, den wir in der Beta-Phase geschaltet haben, und auch auf Diskussionen im Rahmen von Genealogentagen durchaus vorhanden. Natürlich gibt es immer Stimmen, die auch hier für den unentgeltlichen Zugang plädieren, aber sie bildeten nicht die Mehrheit. Die Rechnung ging eher in die Richtung, dass man nunmehr Archivreisen spare und zeitlich unabhängig recherchieren könne.

Archion jedenfalls hat das Ziel, einen guten Service zu bieten und diesen angemessen zu bepreisen. Wir wollen unsere Kundschaft kompetent und dauerhaft begleiten. Und damit komme ich zur Perspektive.

3. Perspektive

Wir haben es primär mit Kirchenbüchern zu tun, die wir anbieten. Wir möchten aber mehr: Archion soll eine Plattform werden, auf der Familienforschende und andere Nutzergruppen, die an personengeschichtlichen Daten interessiert sind, Informationen und Wegweisung erhalten. Daher werben wir für Partnerschaften bei anderen Archiven, bei anderen Kultureinrichtungen, die personengeschichtliches Material aufbewahren. Sie können in Archion eine Visitenkarte einstellen, Metadaten liefern oder Digitalisate zur Verfügung stellen.

Mit dem Segment der Informationen zu Personendaten besetzen wir in Deutschland eine Marktlücke, die ein hohes Potential hat. Wir wollen zeigen, dass es jenseits der Drittmittelförderung nachhaltige Möglichkeiten der Bereitstellung von Daten im Netz gibt. Wir sind davon überzeugt, dass dies ein zukunftsfähiges Verfahren ist.

Und an die Adresse unserer katholischen Kolleginnen und Kollegen gerichtet, möchte ich sagen: Die Tür ist nach wie vor offen. Es bleibt eine kultur- und archivpolitische Chance, wenn wir uns in unserem Alleinstellungsmerkmal Kirchenbuch ökumenisch positionieren.

Wir erleben heute einen wichtigen Tag, wir sind aber nicht am Ziel. Unser Ziel ist, Archion stets an die Nutzerbedürfnisse anzupassen und leistungsfähig zu bleiben. Wir sind also nicht im Höhenflug auf Wolke 7.

Wir bleiben auf dem Boden, wir machen unsere Hausaufgaben, wir liefern Qualität – und vor allem: wir bleiben im Gespräch – mit unserer Kundschaft und mit möglichen Partnerarchiven.

Danke.

Eröffnung der Testphase des Kirchenbuchportals www.archion.de

Diese Diashow benötigt JavaScript.

Eröffnung der Testphase des Kirchenbuchportals http://www.archion.de am 13. September 2014 auf dem 66. Deutschen Genealogentag in Kassel (Fotos: Gerstheimer)

Sehr geehrte Damen und Herren,

ich spreche heute multifunktional zu Ihnen:
als Leiterin des Landeskirchlichen Archivs Kassel, als Vorsitzende des Verbands kirchlicher Archive in der EKD und als Aufsichtsratsmitglied der Kirchenbuchportal GmbH. In allen Funktionen bin ich – zum Teil schon seit 2006 – in das Projekt Kirchenbuchportal eingebunden.

Wir wagen ein nachhaltig angelegtes Experiment und sind sehr gespannt auf Ihre Reaktionen. Wir kommunizieren digital.

200.000 Kirchenbücher sind die zentrale Quelle in evangelischen Archiven. Archion präsentiert die digitalisierten Kirchenbücher professionell im Internet und stärkt kirchliche Identitäten in der Öffentlichkeit. Das Portal ist darüber hinaus als Forum für prosopographische Quellen und Plattform für den genealogischen und wissenschaftlichen Diskurs ausgelegt.

In der Startphase stehen 38.000 Kirchenbücher mit 3,8 Millionen Digitalisaten weltweit für die Vollrecherche zur Verfügung. Das Angebot wird stetig erweitert. Das Bestreben geht dahin, nicht nur Quellen aus Kirchenarchiven zu präsentieren, sondern in Kooperation mit anderen Archiven auch weitere Quellen digital bereitzustellen, die personenbezogene Informationen bieten.

Archion

  • präsentiert Kulturgut nachhaltig im Internet, selbsttragend finanziert über seine Nutzung,
  • schafft eine Plattform »Made in Germany«, bei der alle relevanten Daten unter der Hoheit des deutschen Datenschutzrechtes bleiben,
  • schützt die Originalkirchenbücher und andere Originalquellen vor Übernutzung,
  • gestaltet die Recherche effizienter und attraktiver durch den digitalen Aufbau einer komplexen Informationsstruktur,
  • erschließt neue Nutzergruppen durch mehr Publizität,
  • entlastet die Archive von Auftragsrecherchen,
  • bietet ein Forum für Forscherinnen und Forscher,
  • erbringt einen Mehrwert zur langfristigen Sicherung der Arbeit an und mit den Archivbeständen durch Einnahmen aus Online-Recherchen und weiteren Dienstleistungen.

Archion geht neue Wege

Um die Finanzierung des umfangreichen Projekts nachhaltig zu ermöglichen, wurde ein betriebswirtschaftlicher Ansatz gewählt. Durch das Erheben von Gebühren soll sich das Portal selbst tragen.

Die Nutzer stehen im Zentrum des Portals. Sie können sich in einem Forum austauschen, eigene Auswertungen der erforschten Daten ins Portal hochladen und anderen zugänglich machen. Außerdem gibt es die Möglichkeit, Kirchenbücher zu transkribieren oder zu indexieren. Der Inhalt ganzer Kirchenbücher oder auch nur einzelne Seiten können so bearbeitet und anschließend durchsucht werden.

Bei der Onlinenutzung ist der Gedanke der Community wesentlich. Die Angebote intendieren eine dauernde Nutzung durch die Kunden. Dies hat Vorteile: durch ein rege genutztes Forum helfen sich die Nutzer gegenseitig und entlasten so Kirchenbuchportal und Archive. Außerdem nutzen sie so intensiver die Möglichkeit zu transkribieren. Diese von den Nutzern gefertigten Abschriften sind durchsuchbar und bringen dem Kirchenbuchportal auf Dauer neue Kunden. Der User Generated Content und die damit verbundene Indexierung stellen einen Mehrwert dar.

USP (Unique Selling point) and UGC (User Generated Content)

archion_logoArchion betritt Neuland, die Marke der Kirchenbuchportal GmbH ist zukunftsweisend.

Kirchenarchive bewahren die originalen Kirchenbücher auf. Das ist ihr „unique selling point“ ihr Alleinstellungsmerkmal, und hebt sie über bereits bestehende Angebote von Kirchenbuchdaten im Internet. Das Portal gewährleistet die Authentizität der Quellen und die Wahrung der Datenhoheit der Kirchen über ihre Archivbestände. Kirchenarchive und ihr Personal sind die Experten in der Betreuung und Erschließung von Kirchenbüchern. Dieser Anspruch gilt auch für nichtkirchliche Archive und deren Quellengruppen, die in Archion präsentiert werden.

Familienforscher und genealogische Vereine als aktuell größte Nutzergruppe werden motiviert, ihr Wissen interaktiv in das Projekt einzubringen. „User generated content“ hat im Portal einen hohen Stellenwert.

Archion wird nicht auf Kirchenarchive eingegrenzt bleiben. Die GmbH hat ein großes Interesse daran, auch Archive anderer interessierter Trägerinstitutionen im In- und Ausland am Portal zu beteiligen, wenn entsprechende historische Quellen vorhanden sind. Es gilt, eine weitere Bündelung der Kräfte zu erzielen. In diesem Zusammenhang geht der Fokus über die Quelle der Kirchenbücher hinaus und bezieht prosopographische Unterlagen aller Art ein.

Mit diesem von der EKD auf Darlehensbasis finanzierten Projekt passen wir nahtlos auf die nächste EKD-Synode im November 2014 in Dresden. Das Schwerpunktthema für die 7. Tagung der 11. Synode 2014 lautet Kommunikation des Evangeliums in der digitalen Gesellschaft.

Wir kommunizieren digital! Kommen Sie mit und begleiten Sie uns!

Bettina Wischhöfer

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