Kirchenbuchportal GmbH zur Freischaltung von ARCHION

Grußwort von Dr. Gabriele Stüber, Aufsichtsratsvorsitzende der Kirchenbuchportal GmbH, anlässlich der Freischaltung des Kirchenbuchportals “Archion” am 20. März 2015 im Kasseler Haus der Kirche:

Archion – Aufbruch, Positionierung, Perspektiven

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Kolleginnen und Kollegen,
heute ist ein wichtiger Tag für alle, die das Projekt „Kirchenbuchportal“ seit Jahren begleitet haben. Wir haben es gehört, und im Saal sitzen viele Wegbegleiter, die die Entwicklung mit erlebt haben. Deshalb danke ich auch noch einmal im Namen des Aufsichtsrates der Kirchenbuchportal GmbH allen, die den Mut nicht verloren und durchgehalten haben. Ich danke aber auch all jenen, die sich jetzt an „Archion“ beteiligen werden und zum Erfolg des Produkts beitragen wollen.
Ich möchte das bisher Gesagte durch einige Akzente abrunden. Meine Bemerkungen stehen unter der Prämisse „Aufbruch, Positionierung, Perspektiven“.

www.Archion.de - Das Kirchenbuchportal geht online

Dr. Gabriele Stüber, Aufsichtsratsvorsitzende der Kirchenbuchportal GmbH, am 20. März 2015 (Foto: medio.tv/Socher)

1. Aufbruch

Wir – d. h. die evangelischen Archive und die katholischen Archive – sind im Aufbruch und dies schon seit einigen Jahren. Einen Teil des Weges sind wir gemeinsam gegangen. Auch andere Archive beschreiten mit Portallösungen auf verschiedenen Ebenen neue Wege. Es gibt zahlreiche Portale in Deutschland, die letzte Ausgabe der Fachzeitschrift „Archivar“ hat den Portalen gar einen eigenen Schwerpunkt gewidmet.

Wer aufbricht, sollte wissen, wo es hingeht. Alle Archive, alle Kultureinrichtungen, verbindet das Bestreben, ihrer Klientel und auch ganz neuen Nutzergruppen Zugang zu Informationen zu ermöglichen, um es einmal ganz allgemein auszudrücken. Dabei setzen die meisten auf die Einwerbung von Drittmitteln, vorzugsweise der Deutschen Forschungsgemeinschaft oder auch der Europäischen Gemeinschaft. Archion geht anders vor.

2. Positionierung

Archion ist ein Portal, das Geld für seine Dienstleistungen nimmt. Das hat uns auch Kritik eingebracht, insbesondere von den Verfechtern eines „Open Access“. Aber wenn man das Thema näher betrachtet, wird man feststellen: „Open Access“ gibt es streng genommen nicht.

Einerseits, weil das Netz nicht allen Menschen überall zugänglich ist, aber was nicht ist, kann ja noch werden. Open Access aber gibt es vor allem aus folgendem Grund nicht: Jeder Zugang zu Daten im Netz ist mit Kosten verbunden. Es ist nur die Frage, wer an welcher Stelle zahlt. Denn, und ich wiederhole es, weil es von den Verfechtern des Open Access nicht formuliert wird, gezahlt werden muss. Es kostet Geld, ein Portal zu implementieren, es kostet Geld, Daten zu erzeugen, es kostet Geld, Daten vorzuhalten, zu pflegen, das Portal stetig zu erweitern und es an neue technische Gegebenheiten anzupassen.

Nun könnte man argumentieren, dass ja die Menschen durch die Steuern, die sie an die Kirche oder den Staat zahlen, schon Geld eingebracht haben. Das stimmt. Aber es gibt Angebote, die gar nicht alle nutzen oder die auf längere oder auch schon kürzere Sicht so teuer sind, dass durchaus Überlegungen angestellt werden, diese Angebote gebührenpflichtig zu machen, man denke etwa an die Debatte um die Autobahngebühr.

Übertragen auf Archion und Familienforschung etwa könnte der provozierende Satz lauten: Es ist nicht einzusehen, warum ein Dachdecker ohne familiengeschichtliches Interesse mit zahlen soll für das genealogische Hobby eines Lehrers im Ruhestand. Wir können die Personen auch umdrehen oder es so formulieren: Wir können durch allgemeine Kirchensteuern keine private oder gewerbliche Familienforschung ausschließlich finanzieren. Wir finanzieren das z. T. bereits, weil wir in den Landeskirchlichen Archiven in die Digitalisierung investieren.

Es gibt aber noch einen anderen existentiellen Grund für Gebühren. Die meisten Portale im Kulturbereich werden durch Fördergelder, kurz Drittmittel, finanziert. Das hat auch Schattenseiten. Auf einer Tagung der Henkel-Stiftung in Düsseldorf zum Thema „Die Zukunft der Wissensspeicher“ Anfang März des Jahres belegte ein Referent, dass zahlreiche Portale , die einst mit erheblichen Drittmitteln ins Leben traten, inzwischen im Netz nicht mehr auffindbar seien. Dieser Befund lässt den Schluss zu, dass Portale, deren Drittmittelförderung ausläuft, offenbar selten von allein weiterlaufen.

Insofern sind wir gut beraten, Archion als ein entgeltpflichtiges Serviceangebot am Markt anzubieten. Dabei möchte ich betonen, dass wir auch im allgemeinen Informationsteil – und auf den legen wir sehr viel Wert – ein gebührenfreies Segment haben, das allen Interessierten offen steht.

Offenbar gilt es aber immer noch als etwas anrüchig im Kulturbereich, für Dienstleistungen im Netz Gebühren zu erheben. Dabei betreiben etwa Portale aus dem Bereich der Naturwissenschaften diese Praxis seit Jahren. Die Akzeptanz bei der Klientel der Familienforscher war im Blog, den wir in der Beta-Phase geschaltet haben, und auch auf Diskussionen im Rahmen von Genealogentagen durchaus vorhanden. Natürlich gibt es immer Stimmen, die auch hier für den unentgeltlichen Zugang plädieren, aber sie bildeten nicht die Mehrheit. Die Rechnung ging eher in die Richtung, dass man nunmehr Archivreisen spare und zeitlich unabhängig recherchieren könne.

Archion jedenfalls hat das Ziel, einen guten Service zu bieten und diesen angemessen zu bepreisen. Wir wollen unsere Kundschaft kompetent und dauerhaft begleiten. Und damit komme ich zur Perspektive.

3. Perspektive

Wir haben es primär mit Kirchenbüchern zu tun, die wir anbieten. Wir möchten aber mehr: Archion soll eine Plattform werden, auf der Familienforschende und andere Nutzergruppen, die an personengeschichtlichen Daten interessiert sind, Informationen und Wegweisung erhalten. Daher werben wir für Partnerschaften bei anderen Archiven, bei anderen Kultureinrichtungen, die personengeschichtliches Material aufbewahren. Sie können in Archion eine Visitenkarte einstellen, Metadaten liefern oder Digitalisate zur Verfügung stellen.

Mit dem Segment der Informationen zu Personendaten besetzen wir in Deutschland eine Marktlücke, die ein hohes Potential hat. Wir wollen zeigen, dass es jenseits der Drittmittelförderung nachhaltige Möglichkeiten der Bereitstellung von Daten im Netz gibt. Wir sind davon überzeugt, dass dies ein zukunftsfähiges Verfahren ist.

Und an die Adresse unserer katholischen Kolleginnen und Kollegen gerichtet, möchte ich sagen: Die Tür ist nach wie vor offen. Es bleibt eine kultur- und archivpolitische Chance, wenn wir uns in unserem Alleinstellungsmerkmal Kirchenbuch ökumenisch positionieren.

Wir erleben heute einen wichtigen Tag, wir sind aber nicht am Ziel. Unser Ziel ist, Archion stets an die Nutzerbedürfnisse anzupassen und leistungsfähig zu bleiben. Wir sind also nicht im Höhenflug auf Wolke 7.

Wir bleiben auf dem Boden, wir machen unsere Hausaufgaben, wir liefern Qualität – und vor allem: wir bleiben im Gespräch – mit unserer Kundschaft und mit möglichen Partnerarchiven.

Danke.

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