Dr. Wolfgang Eger verstorben

Dr. Wolfgang Eger, 25.10.1928 Klingenthal, Sachsen – 17.7.2005 Speyer

Der frühere Direktor des Zentralarchivs der Evangelischen Kirche der Pfalz, Wolfgang Eger, starb im Alter von 76 Jahren in Speyer an den Folgen einer schweren Krankheit. Wolfgang Eger war 1957 in den Dienst der pfälzischen Landeskirche getreten und wirkte dort bis 1992, zuletzt als Archivdirektor.

Wolfgang Eger wurde 1928 im sächsischen Klingenthal geboren. Er studierte von 1947 bis 1951 an der Universität Jena Pädagogik, Geschichte und Kunsterziehung und promovierte im Fach Geschichte. Danach schlug er die Archivlaufbahn ein und absolvierte am Institut für Archivwissenschaft in Potsdam die Ausbildung zum wissenschaftlichen Archivar. 1957 siedelte er in die Bundesrepublik, nachdem er eine Anstellung als Leiter des Landeskirchlichen Archivs in Speyer erhalten hatte.

In seiner langjährigen Amtszeit setzte sich Wolfgang Eger insbesondere für den Ausbau des Landeskirchlichen Archivs zu einem Zentralarchiv der pfälzischen Landeskirche ein, dem zentralen Aufbewahrungsort protestantischer Überlieferung in der Pfalz. Durch die Publikation wichtiger Nachschlagewerke sorgte Eger dafür, dass das Zentralarchiv als Dienstleistungsinstitution ein Gesicht erhielt. 1967 publizierte er den Registraturplan für Pfarrämter, der daraufhin allen Pfarrämtern als Richtschnur für die Schriftgutablage diente. Er erstellte zudem ein vielbenutztes Kirchenbuchverzeichnis in mehreren Auflagen, das bis heute die Grundlage für eine Fortschreibung bildet und in eingeweihten Kreisen nur „der Eger“ heißt. Auch das Handbuch der pfälzischen Landeskirche aus dem Jahre 1967 entstand im Landeskirchlichen Archiv und ist bis heute ein unentbehrliches Nachschlagewerk beispielsweise für die schnelle Orientierung über kirchengeschichtliche Eckdaten auf Ortsebene. Insgesamt veröffentlichte Wolfgang Eger mehr als 100 wissenschaftliche Publikationen.

1977 erhielt das Zentralarchiv dank seines Engagements mit dem Archiv der Deutschen Ostasienmission einen ganz besonderen Bestand. Als eine Unterbringung für dieses bedeutende Missionsarchiv gesucht wurde, fiel die Wahl auf die Pfalz, da diese die Ostasienmission traditionell stark unterstützte. Im Anschluss an die Grundsatzentscheidung, das Zentralarchiv auch für Missionsbestände zu öffnen, werden bis heute Unterlagen an das Archiv abgegeben. In die Amtszeit Wolfgang Egers fielen überdies große landeskirchliche Jubiläen, die das Archiv durch kulturelle Aktivitäten begleitete. Zum 150jährigen Jubiläum der pfälzischen Kirchenunion von 1818 veranstaltete der Verein für Pfälzische Kirchengeschichte einen erstmals im deutschen Raum durchgeführten Kirchenarchivtag im Martin-Butzer-Haus in Bad Dürkheim. Die Konferenz, die die evangelischen kirchengeschichtlichen Vereinigungen in der Pfalz zusammenführte, wurde vom Landeskirchlichen Archiv maßgeblich mit organisiert. Anlässlich des 450. Jubiläums der Protestation im Jahre 1979 und der 450jährigen Wiederkehr der Reformation in der Reichsstadt Speyer im Jahre 1990 gestaltete das Archiv in der Heiliggeistkirche zu Speyer viel beachtete Ausstellungen. Wolfgang Eger war langjähriges Vorstandsmitglied und zuletzt Ehrenmitglied im Verein für pfälzische Kirchengeschichte, dessen Anliegen er durch zahlreiche pfalzbezogene Beiträge unterstützte. Er vertrat die Pfalz im Verband kirchlicher Archive und in zahlreichen anderen Gremien, um die protestantische Archivarbeit in der Pfalz extern zu vernetzen. Von 1979 bis 1993 wirkte Wolfgang Eger überdies als Vorsitzender des Verwaltungsrates des Evangelischen Zentralarchivs in Berlin.

Neben der archivischen Tätigkeit war Wolfgang Eger auch ein politisch Handelnder. Dem Speyerer Stadtrat gehörte er als SPD-Mitglied von 1969 bis 1985 und von 1989 bis 1994 an. Acht Jahre war er ehrenamtlicher Beigeordneter und Kulturdezernent. Wolfgang Eger war ein Mitbegründer der Speyerer Kulturtage als eines Forums für die Integration der kulturtreibenden Vereine. Für seine beruflichen und ehrenamtlichen Verdienste erhielt Wolfgang Eger 1983 das Bundesverdienstkreuz am Bande, 1994 die Verdienstmedaille der Stadt Speyer und im Jahre 2004 den Verdienstorden des Landes Rheinland-Pfalz.

Gabriele Stüber

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s